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Wie man die Retourenquote im Onlinehandel verringern kann

Daniela Marchl | | Aktualisiert:
Wie man die Retourenquote im Onlinehandel verringern kann

Retouren gehören zum E-Commerce wie das Amen zur Kirche. In Deutschland liegt die durchschnittliche Retourenquote je nach Branche zwischen 20 und 50 Prozent – bei Fashion sogar noch höher. Jede Retoure kostet dich Geld: Versandkosten, Bearbeitungszeit, Wertminderung, und im schlimmsten Fall ein verlorener Kunde. Aber du kannst aktiv gegensteuern. In diesem Beitrag zeigen wir dir praxiserprobte Maßnahmen, um deine Retourenquote spürbar zu senken.

Statistik zur Anzahl der Retouren im deutschen Onlinehandel

Warum Retouren so teuer sind

Bevor wir zu den Lösungen kommen, ein Blick auf die tatsächlichen Kosten einer Retoure:

  • Rückversandkosten: Selbst wenn du Retourenversand anbietest, fallen Carrier-Kosten an.
  • Bearbeitung: Retoure annehmen, prüfen, kategorisieren, ggf. aufbereiten und wieder einlagern. Das kostet Personal und Zeit.
  • Wertminderung: Nicht jede Retoure ist wiederverkaufsfähig. Geöffnete Verpackungen, Gebrauchsspuren, fehlende Zubehörteile – ein Teil der Ware muss reduziert oder entsorgt werden.
  • Totes Kapital: Ware, die im Retourenprozess hängt, ist nicht verfügbar für den Verkauf. Bei langsamer Retourenbearbeitung kann das Wochen dauern.
  • Kundenverlust: Ein schlechter Retourenprozess verärgert Kunden. Die kommen nicht wieder.

Laut Branchenstudien kostet eine einzelne Retoure den Händler im Durchschnitt 10 bis 20 Euro – unabhängig vom Warenwert. Bei einer Retourenquote von 30 % und 1.000 Bestellungen pro Monat sind das 3.000 bis 6.000 Euro, die dir jeden Monat verloren gehen.

8 Maßnahmen, um die Retourenquote zu senken

1. Produktbeschreibungen verbessern

Die häufigste Retourenursache: Das Produkt entspricht nicht der Erwartung. Und die Erwartung wird durch deine Produktbeschreibung gesetzt.

  • Sei präzise: Maße, Gewicht, Material, Farbbezeichnung – alles muss stimmen und vollständig sein.
  • Nutze Vergleiche: “So groß wie ein DIN-A5-Heft” ist hilfreicher als “15 × 21 cm”.
  • Nenne auch Einschränkungen: Wenn ein Stoff nicht für die Waschmaschine geeignet ist, schreib es hin. Lieber eine verhinderte Bestellung als eine teure Retoure.

2. Produktbilder professionalisieren

Ergänzend zu besseren Beschreibungen brauchen deine Produktbilder mehr Tiefe:

  • Mehrere Perspektiven: Vorderseite, Rückseite, Seite, Detail, Maßstab.
  • Lifestyle-Bilder: Das Produkt in der Nutzungssituation hilft dem Kunden, sich die Realität vorzustellen.
  • Farbkorrekte Bilder: Wenn das Blau auf dem Bildschirm anders aussieht als in der Realität, bekommst du Retouren.

3. Größenberatung integrieren (Fashion)

Im Fashion-Bereich werden die meisten Retouren durch falsche Größen verursacht. Was hilft:

  • Detaillierte Größentabellen mit cm-Angaben für Brust, Taille, Hüfte, Länge
  • Fit-Empfehlungen: “Fällt klein aus – im Zweifel eine Nummer größer bestellen”
  • Virtuelle Anprobe-Tools oder Größenberatungs-Widgets, die anhand weniger Angaben die richtige Größe empfehlen

Grafik zu den häufigsten Retourengründen bei Online-Händlern

4. Kundenbewertungen aktiv nutzen

Echte Kundenbewertungen helfen anderen Kunden, eine informierte Kaufentscheidung zu treffen. Besonders wertvoll sind Bewertungen, die auf Passform, Qualität und Erwartungshaltung eingehen.

5. Verpackung und Versand optimieren

Ein beschädigtes Paket ist eine vermeidbare Retoure:

  • Passende Kartongröße: Zu große Kartons lassen Produkte verrutschen, zu kleine quetschen sie.
  • Ausreichend Polsterung: Besonders bei empfindlichen Produkten (Glas, Elektronik, Kosmetik).
  • Professioneller Versand: Ein Fulfillment-Dienstleister nutzt automatisierte Prozesse, die die richtige Verpackung für jedes Produkt wählen – das reduziert Transportschäden deutlich.

6. Schnelle Lieferung

Je länger die Lieferzeit, desto höher die Retourenquote. Warum? Kunden bestellen impulsiv – und mit jedem Tag, der vergeht, schwindet die Begeisterung. Wer ein Produkt am nächsten Tag in den Händen hält, retourniert seltener als jemand, der eine Woche wartet.

  • Next-Day-Delivery als Standard: Über einen Fulfillment-Dienstleister mit zentralem Standort erreichbar.
  • Sendungsverfolgung: Transparenz über den Lieferstatus reduziert Ungeduld und “Wo bleibt mein Paket?”-Tickets.

7. Retourengründe analysieren

Du kannst nur verbessern, was du misst. Analysiere systematisch, warum Kunden retournieren:

  • Retourenformular mit Pflichtangabe: Warum wird retourniert? (Falsche Größe, Nicht wie erwartet, Defekt, Zu spät geliefert, etc.)
  • Muster erkennen: Wenn ein bestimmtes Produkt überdurchschnittlich oft retourniert wird, liegt das Problem beim Produkt, nicht beim Kunden.
  • Maßnahmen ableiten: Wird ein T-Shirt in Größe M ständig als “zu klein” retourniert? Ändere die Größentabelle oder den Fit-Hinweis.

8. Kundenservice proaktiv einsetzen

Manchmal lässt sich eine Retoure verhindern, wenn der Kunde schnell Hilfe bekommt:

  • Live-Chat im Shop: Kunden, die vor dem Kauf eine Frage stellen können, kaufen informierter – und retournieren seltener.
  • FAQ-Bereich: Die häufigsten Fragen zu Größe, Material, Nutzung vorab beantworten.
  • Nachkauf-Kommunikation: Eine freundliche E-Mail nach dem Kauf (“So pflegst du dein neues Produkt richtig”) kann Fehlnutzung und Enttäuschung vorbeugen.

Übersicht der Maßnahmen zur Reduzierung von Retouren im Onlinehandel

Retourenquoten nach Branche

BrancheDurchschnittliche Retourenquote
Fashion & Textil40–50 %
Schuhe35–45 %
Elektronik10–15 %
Kosmetik & Beauty5–10 %
Food & Nahrungsergänzung2–5 %
Möbel & Einrichtung10–20 %

Quelle: EHI Retail Institute / Statista

Retouren lassen sich nicht vermeiden – aber reduzieren

Eine Retourenquote von null Prozent ist unrealistisch und auch nicht das Ziel. Kunden brauchen die Möglichkeit, Ware zurückzugeben – das ist Teil des Online-Shopping-Erlebnisses und ein gesetzliches Recht. Aber zwischen 50 % und 30 % Retourenquote liegt eine Menge Geld.

Die effektivsten Hebel: bessere Produktbeschreibungen, professionelle Bilder, Größenberatung und schnelle Lieferung. In Kombination lassen sich Retourenquoten um 10–20 Prozentpunkte senken – das rechnet sich schnell.

Professionelles Retourenmanagement

Neben der Reduzierung der Retourenquote ist auch die professionelle Abwicklung der verbleibenden Retouren entscheidend. Ein effizienter Retourenprozess bringt Ware schneller zurück ins Lager und in den Verkauf.

Mehr zum Thema professionelles Retourenmanagement findest du in unserem ausführlichen Retouren-Management Guide. Oder fordere direkt ein Angebot an und lass uns über deine Retourenlogistik sprechen.

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